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Nähe und Distanz zu Schülern

 

Moin moin,

in der heutigen Episode möchte ich eure Fragen zum Oberthema „Nähe und Distanz zu Schülern“ ausführlicher besprechen.

Ich berichte hier von meinen Erfahrungen, gebe Ideen mit auf den Weg und lasse auch meine Schüler zu Wort kommen, indem ich sie zitiere.

Am Ende der Episode wartet eine kleine Aufgabe auf euch. Kommentiert eure Ideen gerne unter diesem Beitrag 🙂

 

2 Kommentare zu „Nähe und Distanz zu Schülern

  1. Hallo,
    ich hab mir die Folge angehört und stimme in vielen zu. Ich bin selber Lehrer und auch in der Lehrerausbildung tätig. Womit ich noch Schwierigkeiten habe, sind drei Dinge:
    1. Ich würde nie meine Handynummer rausgeben. Ich habe für Klassenfahrten immer eine SIM-Karte, die ich in ein Zweithandy lege. Diese Nummer gebe ich dann raus. Mein privates Handy ist und bleibt privat.

    2. Schüler anfassen: Vielleicht sehe ich das als Mann nochmal anders, aber ich fasse keine Schüler an und würde es auch sehr ungern sehen, wenn mein Sohn von seiner Lehrerin oder seinem Lehrer umarmt wird. Wenn es eine Beratungslehrkraft ist, dann ist das vielleicht nochmal anders. Aber als Lehrperson, die in einem Bewertungsverhältnis zu den Lernenden steht, praktiziere ich keinen Körperkontakt – es sei denn, ich muss jemanden abhalten, mit einer Schere auf einen anderen loszugehen. Dann ist das Gefahrenabwehr. Aber umarmen, Schulter oder Arm anfassen ist für mich ein No-Go.
    3. Ihre ganzen Ausführungen sind sehr subjektiv und erfahrungsorientiert. Wenn Sie von Oberstufenschülern sprechen, dann nehme ich an, dass Sie an einem Gymnasium unterrichten. Das bedeutet die überwiegende Mehrheit der Schülerschaft kommt aus bildungsnahen Schichten (vgl. Pisa). Viele Ihrer Empfehlungen würden an einer Brennpunkt-Hauptschule, die ich bei Unterrichtsbesuchen kennenlerne, nicht funktionieren. Warum? Diese Kids wollen die Lehrperson nicht als „Homie“ oder „Buddy“, sondern brauchen ihn als eine – von Ihnen meiner Meinung nach völlig zu Unrecht abgelehnte – Autorität. Sie kommen aus regellosen Haushalten, keiner guckt nach ihnen, sie stehen morgens oft alleine auf. Diese Kinder sehnen sich nach einem Gegenüber, das wertschätzend klare Grenzen setzt, das auch mal durchgreift. Diese Kinder lachen Lehrer aus, die fragen, welche Computerspiele sie spielen. Deshalb würde ich mir wünschen, wenn Sie in Ihre Folgen vielleicht etwas mehr Wissenschaft einbauen würden. Wir Lehrpersonen sind keine semi-professionellen, die ihr Handeln damit begründen, weil das ein Kollege auch so macht oder „weil das bei den Kids gut ankommt“.

    Ich danke für die Anregungen, werde Ihre Webseite den Auszubildenden empfehlen und bin gespannt auf die nächsten Folgen – insbesondere zu den Unterrichtsgesprächen. Eine meiner Schwachstelle 😉

    Viele Grüße aus NRW

    Liken

    1. Vielen Dank für die ausführliche Rückmeldung!
      Gleich zu Beginn: Ich bin nicht an einem Gymnasium tätig, sondern an einer Gesamtschule und habe dort von Haupt- über Realschule bis Gymnasium alles dabei.
      Ich kann total verstehen, wenn man seine Handynummer nicht rausgibt. Das mache ich ja auch nicht und habe es auch so gesagt. Es gab nur mal in der Vergangenheit Ausnahmen und da war es teilweise sogar ganz gut, weil es gravierende Zwischenfälle im privaten Umfeld gab, sodass sich Schüler Hilfe geholt haben und ich dann mit ihnen von da aus weitere Hilfsangebote von außen einholen konnte. Aber wie gesagt, das waren absolute Ausnahmen. Dennoch haben sie mich immer als Lehrperson wahrgenommen, die sie bewerten muss. Das war nie ein Problem.
      Zu Punkt zwei: Ich glaube auch, dass es leider einen Unterschied macht, wenn ein männlicher Lehrer einen Schüler umarmt, dennoch bleibe ich da bei meinen Ausführungen, dass ich das zum Zwecke des Tröstens jederzeit wieder machen würde, wenn ich es als angebracht empfinde. Das entscheide ich aber immer nach Gefühl und wie der Schüler insgesamt drauf ist.
      Aber hier gibt es unterschiedliche Lehrerpersönlichkeiten und jeder sollte den für sich richtigen Weg finden. Das ist ja auch völlig normal.
      Dass Schüler klare Grenzen und eine klare Linie brauchen, ist mir mehr als bewusst und das habe ich auch in meiner Episode gesagt. Meine Schüler wissen, wo die Grenzen liegen und dass ich Konsequenzen durchziehe. Das heißt für mich jedoch nicht, dass ich nicht mal privat nachfragen kann und bisher bin ich damit immer gut gefahren. Und dabei beziehe ich mich eben nicht auf Gymnasialklassen, sondern eher aus dem Haupt- und Realschulbereich. Dass jeder Schüler da individuell ist, ist ja klar, sodass man schauen muss, wie man mit jedem umgehen kann.
      Aber auch hier gilt natürlich: Jede Lehrkraft ist individuell und findet ihren eigenen Weg. Man kann sich Inspiration durch die Erfahrungen von anderen holen und dann für sich entscheiden, was man davon mitnimmt und was eher nicht 😊

      Liken

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