Tipps aus der Praxis

Das Rückkehrplan-Coaching oder: Störungen sind normal, nur wie gehe ich damit um?

Diese Woche habe ich an meiner Schule ein Coaching zur Arbeit mit Rückkehrplänen mitgemacht. Ich hatte bereits in einem meiner Artikel über die Arbeit mit diesen informiert (Hier gelangst du zum Artikel.). Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein paar zusätzliche Informationen zu liefern, die euch das System transparenter machen sollen.

„Störungen sind normal“ – Die Grundannahmen

Wir gehen zunächst einmal grundsätzlich davon aus, dass Störungen im Schulalltag normal sind. Ich denke, dass jeder von euch sich an einige Situationen erinnern kann, in denen er das Gefühl hatte, dass Schüler mit ihrem Verhalten den Unterricht stören. Wichtig ist hier zu verstehen, dass jedes Verhalten immer auch einen Grund hat. Dies kann für uns manchmal sehr banal sein, für den störenden Schüler ist es in dem Moment aber seine innere Motivation. Als Lehrer könnten wir hier schnell den Fehler machen, das Verhalten eines Schülers nicht von seiner Person zu trennen, indem wir bspw. Folgendes formulieren: „Schon wieder redest du dazwischen. Hast du es immer noch nicht verstanden?“ Viel besser wäre es aber, nur auf das Verhalten des Schülers zu reagieren. Im oben genannten Beispiel kommt noch erheblich hinzu, dass verallgemeinert wird. Man sollte aber seine Äußerungen lieber auf die konkrete Situation beziehen und dem Schüler klar machen, dass sein Verhalten einen als Lehrperson dazu zwingt, folgende Maßnahmen zu ergreifen. Den Schülern muss klar sein, dass sie selbst entscheiden, was sie tun. Immerhin werden sie nicht ferngesteuert. Diese Botschaft kommt bei einigen Schülern nur sehr schleppend an, daher ist es umso wichtig, ihnen dies immer wieder auch verbal vor Augen zu führen. Wir sollten als Lehrer dementsprechend die Motivationen unserer Schüler für ihr Verhalten verstehen, müssen aber damit nicht einverstanden sein.

Die Voraussetzung – Das eigene Regelwerk

Damit ihr überhaupt das Verhalten von Schülern ermahnen könnt, solltet ihr euch zuvor ein paar Fragen selbst beantworten:

  1. Was erlaube ich in meinem Unterricht?
  2. Was lehne ich auf jeden Fall ab?
  3. Welchen Ermessensspielraum gestehe ich mir selbst zu?

Wer sich hier noch unsicher ist, kann sich gerne meinen Erwartungskatalog unter der Kategorie „Downloads“ genauer anschauen. Hier habe ich für meine Schüler meine Erwartungen an sie formuliert. Somit ist auch für mich klar, was ich in meinem Unterricht erlaube und wo meine Grenzen sind.

Der ausgefüllte Rückkehrplan – Wie gehe ich damit jetzt um?

Da ich bereits in einem anderen Artikel berichtet habe, wann ein Schüler einen Rückkehrplan bekommt und ausfüllen soll, möchte ich euch nun genauer darüber informieren, wie ihr mit dem ausgefüllten Rückkehrplan umgehen könnt.

  • Bei der Rückkehr des Schülers mit dem Plan notiert ihr euch die Uhrzeit und tragt diese ein. So könnt ihr überprüfen, wie lange der Schüler mit dem Ausfüllen des Plans beschäftigt war.
  • Bei einer Akzeptanz des Plans ist der Vorgang beendet, die Striche hinter dem Namen werden entfernt und der Schüler kann wieder 3 Ermahnungen bekommen, eher der nächste Plan ausgefüllt werden muss. Das erneute Ausfüllen eines weiteren Plans wird an dem vom Schüler auf dem ersten Rückkehrplan vorgeschlagenen Verhalten gemessen.
  • Akzeptiert ihr den Plan nicht, muss ein neuer ausgefüllt werden. Dazu müsst ihr mit den Schülern in einer ruhigen Minute kurz besprechen, an welchen Stellen ihr noch unzufrieden seid. Dies könnte bspw. während einer Arbeitsphase erfolgen.

Konsequenzen

Damit den Schülern die Tragweite ihres Verhaltens bewusst wird, sollte es dementsprechende Konsequenzen geben. An meiner Schule wurde daher folgendes System ausgearbeitet, welches sich bisher bewährt hat:

  1. Ist der Plan nicht vollständig ausgefüllt, bietet ihr dem betreffenden Schüler eine Hilfestellung an und lasst den Plan erneut neu ausfüllen. Sollte der Schüler dann nicht bereit sein, den Bogen erneut auszufüllen, gilt dies als Verweigerung. Ein möglichst zeitnahes Elterngespräch ist einzuberaumen. Am besten ruft ihr noch am selben Tag zu Hause an.
  2. 2 Pläne in einer Stunde oder Verweigerung, den Plan auszufüllen –> Elterngespräch
  3. 6 Rückkehrpläne im Halbjahr –> Elterngespräch. Hier ist es am besten, wenn die Fachlehrer im engen Kontakt zur Klassenleitung stehen und dort immer eine Rückmeldung geben.
  4. Sobald es zu einem Elterngespräch kommt, werden die Zeiten auf den nächsten 6 Rückkehrplänen notiert und müssen zeitnah nachmittags nachgearbeitet werden.
  5. Tritt keine Verhaltensänderung ein, kann der Schüler bspw. nicht zu Ausflügen mitgenommen werden.
  6. Ist der Schüler weiterhin nicht bereit, sein Verhalten zu verändern, wird das Schulleitungsteam informiert und das weitere Vorgehen besprochen.

Prävention durch Classroom Management

Da hier natürlich eher das negative Verhalten eines Schüler betrachtet wurde, welches durch eine angeleitete Reflexion zu Besserungen führen soll, muss natürlich ausdrücklich erwähnt werden, dass gezieltes und gutes Classroom Management, welches vor allem die Schüler in ihrem Verhalten positiv bestärkt, eine gute Prävention darstellt. Näheres hierzu könnt ihr hier in weiteren Artikeln erfahren. Dennoch kann es immer mal wieder zu Störungen kommen, denen man möglichst sofort begegnen sollte, damit aus diesen kleinen keine größeren Probleme werden.

Letzte wichtige Informationen

Das hier vorgestellte Konzept ist für meine Schule und Schüler maßgeschneidert. Dies bedeutet, dass es nicht auch eins zu eins in anderen Schulen umgesetzt werden könnte. Beachtet dies bitte. Es wurde in zahlreichen Klassentrainings und in der bei uns stattfindenden Cool-AG entwickelt. Ziel ist es, eine Einheitlichkeit zu schaffen, damit jeder Lehrer in jeder Klasse gleich agiert. Somit schafft es auch für die Schüler Transparenz. Unsere Schulsozialarbeiter Katharina Hartmann und Matthias Niebuhr sollen hier auf jeden Fall als Entwickler genannt werden. Solltet ihr Kontaktwünsche haben, schreibt mir einfach über das Kontaktformular oder die hier zu findende Mailadresse. Ich leite euch dann gerne weiter 😊

➡️ In diesem Sinne möchte ich euch ein Zitat aus meinem Coaching mit auf den Weg geben: „Gewähren lassen heißt: Die Führungsrolle abzulehnen und Opfer billigend in Kauf zu nehmen!“ (online: www. Thorsten Schuhmacher.com)

 

2 Kommentare zu „Das Rückkehrplan-Coaching oder: Störungen sind normal, nur wie gehe ich damit um?

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