Fachliches

Stationsarbeit – Wie binde ich sie richtig ein?

In den letzten beiden Schulwochen vor meinen Herbstferien habe ich in 2 von meinen Klassen zu unterschiedlichen Themen und natürlich in unterschiedlichen Jahrgangsstufen Stationsarbeit durchgeführt. In beiden Klassen lief alles erstaunlich gut und wir sind bereits zu einem ersten Lernzwischenfatit gekommen. Da es so gut klappte, wollte ich euch nun Ideen an die Hand geben, wie Stationsarbeit gut gelingen kann und was man gerade als absoluter Neuling auf diesem Gebiet lieber vermeiden sollte.

Was ist Stationsarbeit? 

Grundsätzlich ist Stationsarbeit eine offene Form des Unterrichts, welche mit viel Individualisierung und Leistungsdifferenzierung verbunden ist. Die Schüler arbeiten an einem Thema, welches in verschiedene Teilthemen untergliedert ist, in ihrem eigenen Lerntempo an vier bis ca. sieben Stationen. Besonders ist hier, dass alle Aspekte eines Unterrichtsthemas gleichzeitig zur Verfügung stehen, was sonst im normalen Unterrichtsgeschäft nie der Fall ist. Nun können die Schüler alleine, zu zweit oder in kleinen Gruppen von Station zu Station wandern und die gestellten Aufgaben bearbeiten. Ihnen steht ein Laufzettel zur Seite, welcher meistens in Pflicht- und Wahlaufgaben unterteilt ist. Sind Aufgaben bearbeitet und selbstständig kontrolliert worden, können sie vom Lehrer als erledigt dokumentiert werden.

Wie organisiere ich die Stationsarbeit möglichst sinnvoll?

Grundsätzlich muss vor der Durchführung der Stationsarbeit eine gründliche Planung seitens der Lehrperson erfolgen. Fragen, die man sich hier bspw. stellen sollte:

  • Welches Thema sollen meine Schüler bearbeiten?
  • Ist es eher wiederholendes, vertiefendes oder sogar neues Material?
  • In wie viele Teilaspekte möchte ich das Thema einteilen?
  • Wie viele unterschiedliche Lernkanäle möchte ich ansprechen?
  • Was muss ich alles kopieren? 
  • Welche Aufgaben kann ich aus dem Schulbuch übernehmen?
  • Wie viele Lösungszettel benötige ich?

Nachdem man all das geklärt hat und die Stationsarbeit mitsamt dem Material steht, geht es in die Vorbereitungsphase. Die Schüler müssen über das Thema, den Ablauf und die Anforderungen informiert werden. In meiner 6. Klasse habe ich meinen Schülern bspw. einen Brief geschrieben, in welchem ich sie auf alles Nötige hingewiesen habe. Wichtig ist hier, dass vor allem auch gewisse Grundregeln bzw. Verhaltensregeln eingehalten werden und man die Schüler an diese noch einmal erinnert.

Als nächstes beginnt die Durchführungsphase der Stationsarbeit. Hier arbeiten die Schüler weitestgehend frei. Sie können alleine, zu zweit oder in kleinen Gruppen arbeiten. Dabei nutzen sie ihren Laufzettel, um die einzelnen Stationen zu bearbeiten. Auf meinen Laufzetteln gibt es immer noch eine extra Spalte zur kurzen Reflexion jeder einzelnen Station. Die Schüler sollen dort fragengeleitet notieren, was ihnen leicht oder schwer fiel und wo sie deutliche Stärken oder Defizite sehen. So halten sie kurz inne und können ihren Lernprozess reflektieren. Brauchen Klassen mehr Strukturen, hat es sich in meiner 9. Klasse als sinnvoll erwiesen, ihnen für jede Stunde ein Minimalziel an die Tafel zu schreiben, welches jeder erreichen sollte. Wichtig ist hierbei, dass das Ziel so gesteckt ist, sodass es auch wirklich von allen zu erreichen ist. So klappt auch Stationsarbeit in Klassen, die vielleicht noch Hilfe bei der Freiarbeit benötigen. Nach jeder erledigten Aufgabe oder Station können sich die Schüler auf dem dafür vorgesehen Platz die abgelegten Lösungszettel holen und ihre Ergebnisse vergleichen. Mein Tipp: Kopiert die Lösungszettel auf farbiges Papier und richtet dafür eine eigene Ecke ein. So ist sie für alle Schüler sofort eindeutig zu erkennen.

In all meinen Klassen folgte nach der Durchführungsphase eine Anwendungsphase. In diesem Fall sollten meine Schüler ihr erworbenes Wissen in Form einer Lern-Mind-Map noch einmal reorganisieren. Sie haben dafür von mir bunte Blätter ausgeteilt bekommen, auf denen sie zu jeder Station eine Mind-Map gestalten sollten. Was sollte dort stehen? All das, was sie sich längerfristig merken wollen. Durch die bunten Blätter fallen die Mind-Maps zusätzlich in ihren Mappen auf und sie wissen, dass diese Blätter besonders wichtig sind.

Diese dann erstellten Mind-Maps werden in einer Auswertungsphase zunächst einmal den Mitschülern im Sinne des Think-Pair-Shares gegenseitig vorgestellt. Im Anschluss erfolgt eine kurze Präsentation im Plenum. Hier liegt die Aktivität dann wieder mehr auf der Lehrerseite. Daran kann sich beispielsweise ein kleiner Diagnosetest anschließen, damit wir als Lehrer noch einmal sehen, was die Schüler nun aus der Stationsarbeit tatsächlich als Lernertrag mitgenommen haben.

Welche Lernchancen eröffnet die Stationsarbeit?

  1. individuelle Auseinandersetzung mit einem Thema
  2. Förderung von eigenverantwortlichem und selbstständigem Lernen
  3. innere Differenzierung (Es existieren sowohl Lernangebote für leistungsschwächere als auch für leistungsstärkere Schüler.)
  4. Bewegung: Das ist für viele Schüler, die sich gerade damit schwer tun, länger ruhig zu sitzen, ein positiver Vorteil.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag ein wenig Inspiration geben, um selbst bald einmal Stationsarbeit mit einem guten Lernertrag durchzuführen 😊 👩🏼‍🏫

Buchtipp: Mattes, Wolfgang: Methoden für den Unterricht.

Blogtipp: Schaut doch einmal bei der lieben Kerstin von Materialwiese vorbei. Sie hat ganz tolle Schilder für die Stationsarbeit entworfen, welche ich für meine Klassen direkt so übernommen habe. Hier seht ihr das Ergebnis.

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3 Kommentare zu „Stationsarbeit – Wie binde ich sie richtig ein?

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