Tipps aus der Praxis

Der Rückkehrplan – Warum er das Interventionsprogramm gut ergänzt

In Anknüpfung an den letzten Artikel (Hier) möchte ich nun näher auf den Rückkehrplan eingehen, welcher fester Bestandteil des vorgestellten Interventionsprogramms ist.

Die Ausgangssituation – Wann wird der Rückkehrplan eingesetzt?

Grundsätzlich muss jeder Jugendliche, der wiederholt in einer Stunde gegen die vereinbarten Regeln bzw. Erwartungen verstoßen hat, eine Auszeit nehmen. Diese findet außerhalb der Klasse statt. Damit die Zeit nicht sinnlos vertrödelt wird, werden sie dazu angehalten, einen Rückkehrplan auszufüllen. An meiner Schule gibt es dafür geschulte Sozialpädagogen bzw. Sozialarbeiter, die ihr eigenes Büro und eigene Sprechzeiten haben. Dort werden die Jugendlichen dann hingeschickt. Ich finde diese Möglichkeit echt super! Sollte man das nicht haben, kann der betreffende Jugendliche den Plan auch vor der Tür an einem Tisch ausfüllen, wobei dann hier klare Ansagen getroffen werden müssen, wie er/ sie sich dort zu verhalten hat.

Die 5 Säulen des Plans

Folgende Punkte sollte der Jugendliche dann auf seinem Rückkehrplan beantworten:

  1. Das habe ich gemacht. (Dies erfordert eine genaue Beschreibung der Situation und des eigenen Verhaltens)
  2. Gegen diese Regel habe ich verstoßen.
  3. Darum habe ich das gemacht: Das wollte ich damit erreichen, das war mein Ziel.
  4. Das mache ich beim nächsten Mal (in der gleichen Situation)
  5. Das habe ich davon, wenn ich mein Vorhaben umsetze.

Vorteile und Erklärungen

Der Plan hilft den Jugendlichen grundsätzlich, alternative Handlungsstrategien zu entwickeln. Sie reflektieren mit dem Bearbeiten der oben genannten Punkte ihr Verhalten.

Der erste Punkt veranlasst sie, sich mit ihrem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen. Gerade hier suchen viele zu Beginn Ausreden oder Rechtfertigungen und schieben ihr Verhalten auf andere. Durch die genaue Beschreibung ihres eigenen Verhaltens können sie sich hier nicht „herausreden“.

Der dritte Punkt ist hierbei besonders schwierig, da es um das Ziel ihrer Handlung geht. Welche Motivation steckte hinter ihrem Verhalten. Zugegeben, das ist wirklich nicht ganz leicht und bedarf Übung. Aus diesem Grund wäre es besser, wenn sie eine Person haben, mit der sie diesen Plan gemeinsam ausfüllen können. Ein Beispiel zur Erklärung: „Mir war langweilig.“ ist hier nicht gefordert, da dies nur einen Zustand beschreibt. Hingegen ist „Ich wollte die anderen zum Lachen bringen, um Aufmerksamkeit zu bekommen.“ sehr wohl die Formulierung eines Zieles.

Zu den letzten beiden Punkten sollte erwähnt werden, dass die Formulierungen der Jugendlichen hier möglichst positiv formuliert werden sollten. Als Lehrer sollte man keine Entschuldigung der Jugendlichen einfordern, da dies nicht das Ziel ist. Eher geht es darum, ihnen mitzuteilen, dass man jetzt ihr Verhalten beobachtet, anhand dessen man sehen könne, ob sie bereit seien, an sich zu arbeiten. Letztendlich waren sie es selbst, die sich durch ihr Verhalten ins „Aus“ bugsiert haben. Diese Botschaft muss bei ihnen ankommen.

Wie gehe ich nun mit den Rückkehrplänen um?

Die Pläne sollten bestenfalls gesammelt und abgeheftet werden. Ich habe mir dafür speziell einen schönen Ringbuchordner angelegt. Wer lieber digital arbeitet, kann sie auch einscannen. Weiterhin sollte den Jugendlichen gleich zu Beginn transparent gemacht werden, was mit den Rückkehrplänen passiert. Folgende Abläufe sind denkbar:

  • Die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten können nach jeder Situation, die einen Rückkehrplan erforderlich machte, informiert werden.
  • Nach 3-5 Plänen kann ein Gespräch mit den Eltern/ Erziehungsberechtigten und dem betreffenden Jugendlichen stattfinden, in dem es um das Setzen neuer Ziele, die Überlegung von Strategien, Informationsaustausch etc. gehen soll. Wichtig ist hier, dass der Jugendliche dabei ist, denn letztendlich geht es um ihn/ sie.

Wer noch mehr lesen möchte:

Lohmann, Gert: Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten

Pflug, Dagmar: Soziales Kompetenztraining „Gut drauf – gut dran“: Angebote für Kinder und Jugendliche in der Schule und anderen sozialen Kontexten

Hier kommt jetzt noch der breit erklärte Rückkehrplan für euch 😊 Es gibt sicherlich noch mehr, die recht ähnlich gestaltet sind. Sollte ich noch andere selbst ausarbeiten, stelle ich sie euch ein.

 

9 Kommentare zu „Der Rückkehrplan – Warum er das Interventionsprogramm gut ergänzt

  1. Deine Ideen und Vorschläge hier auf dem Blog sind echt super. Vielen Dank dafür. Könntest du solch einen Rückkehrplan evtl. als Datei noch einfügen? LG Ela

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  2. Hallo, wie macht ihr das zB mit inklusionskindern oder Kindern, die des Deutschen noch nicht besonders mächtig sind? Ich nehme an, dass selbst meine schwächeren ‚Normalos‘ Schwierigkeiten hätten den Plan auszufüllen.
    Lg

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    1. Das hier gezeigte ist nur ein Beispiel. Wir haben mittlerweile verschiedene Rückkehrpläne, die unterschiedlich differenziert sind. Hinzu kommt, dass wir die Schüler zu speziell ausgebildetem Schulpersonal schicken können, welche mit ihnen den Plan gemeinsam ausfüllen und auch besprechen.

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