Tipps aus der Praxis

Wie man ein positives Klima schafft und warum das so wichtig ist

An meiner letzten Schule (glücklicherweise war es nur eine Vertretungsstelle) saß ich oft im Lehrerzimmer und hörte immer wieder Kollegen, die sich lautstark über ihre unmögliche Klasse beschwerten. Manchmal bekam ich auch Gespräche mit, in denen schnell klar wurde, dass das Klima dort sehr negativ war. Ich will hier nicht sagen, dass man nicht auch mal sehr deutlich werden kann, aber mir kommt es hier auf eine Grundstimmung an, die eigentlich in jeder Klasse vorherrschen sollte. Und wo fange ich da an? Beim Lehrer selbst!

Auf den Lehrer kommt es an – Wir prägen unser Klassenklima entscheidend

Vielen Kollegen ist es vielleicht im ersten Moment gar nicht so bewusst, weil sie sich häufig auf das Fehlverhalten ihrer Schüler konzentrieren und sich darüber beschweren, anstatt bei sich selbst anzufangen. Ich möchte hier keinen in ein negatives Licht rücken, nur verlernt man über die Jahre im Schuldienst gerne die großartige Fähigkeit der Selbstreflexion. Wir halten die Schüler immer wieder an, in bestimmten Phasen sich und ihre Lernfortschritte zu reflektieren, machen es aber selbst zu wenig. Dabei können wir selbst sehr viel tun, um ein positives Klima herzustellen. Bei dieser Reflexion möchte ich mit den folgenden Ideen ein wenig unterstützen.

Warum ein gutes Klassenklima wichtig ist

Auch wenn wir es manchmal nicht glauben, aber wir sind häufig Vorbilder für unsere Schüler. Einige lassen es uns nicht sofort erkennen, aber viele orientieren sich an uns. Daher sollte es unser Bestreben sein, diese Vorbildfunktion auch zu nutzen. Im Sinne des Classroom-Managements ist es eines der Ziele, ein interaktives Klassenklima herzustellen. Damit dies gelingt, bedarf es eines positiven Klimas. Dies meint vor allem positive Interaktionen zwischen Lehrer und Schüler, als auch unter den Schülern.

Einfache Maßnahmen reichen aus

Würde man nun Pädagogikratgeber durchforsten, werden einem dort sicherlich die hochtrabendsten Vorschläge unterbreitet. Meiner Erfahrung nach reichen für eine gute Grundlage, mit der man arbeiten kann, einfache Dinge, die ich hier nun auflisten möchte, damit man nicht zu denjenigen Kollegen gehört, die nur das Negative in ihrer Klasse sehen und nicht wissen, wie sie es beheben können.

  1. Ruhig und höflich sprechen: Natürlich werden wir auch provoziert. Was hilft? Tief durchatmen, an das Gute in jedem Schüler glauben, und dann immer sachlich und ruhig bleiben, denn eine ruhige Stimme signalisiert vor allem eins: Selbstkontrolle. Und so etwas spüren Schüler! Gerade wenn sie vielleicht frustriert, aggressiv, verunsichert etc. sind, können sie durch eine ruhige Stimme Sicherheit und Akzeptanz verspüren. Auch kleine Wörtchen wie „bitte“, „entschuldige“, „danke“ wirken wahre Wunder.
  2. Häufiges Loben und positives Verstärken: Wir sind sehr häufig darauf gepolt, negatives Verhalten zu erkennen und dann zu unterbinden. Wie wäre es denn mal, wenn wir uns auch auf positives Verhalten konzentrieren würden? Wenn Schüler etwas gut machen, sofort loben. Vor allem diejenigen, die als besonders herausfordernd gelten. Betrachtet auch die kleinen positiven Fortschritte und würdigt sie. Es kommt an, denn den Schülern wird so vermittelt: „Ich sehe dich. Ich nehme dich wahr und du bist toll, so wie du bist.“ In der Regel ist das Umdenken für uns Lehrer ein lebenslanger Prozess.
  3. Das Wir-Gefühl der Klasse stärken: Nur weil die Schüler mehrere Stunden in einem Raum zusammen verbringen, heißt das nicht automatisch, dass sie eine Klasse sind. Man muss investieren: Sozialtraining, Spiele, gemeinsame Erlebnisse (gerne auch außerschulisch). All das fördert einen Zusammenhalt. Man muss es schaffen, dass sie sich mit ihrer Klasse identifizieren. Wenn ich mit meiner Klasse bei gemeinsamen Aktionen mitmache (sei es eine Exkursion oder ein Sportturnier), legen wir alle zu Beginn die Hände übereinander, ich rufe „Wer sind wir?“ und sie antworten dann mit dem Namen unserer Klasse. Noch dazu spreche ich sie häufig als Klasse an und rede oft in „wir“. Vor allem sollte man aber hier viel in das soziale Gefüge investieren. Der Klassenrat bildet auch hier eine gute Grundlage.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, warum ein positives Klassenklima so wichtig ist (damit wir nämlich nicht zu nörgelnden Lehrern werden und die Schüler sich nicht sicher fühlen) und welche einfachen Maßnahmen schon ausreichen, um dieses zu erreichen ☺️

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