Allgemeines

„Unsere Klasse ist voll cool, so demokratisch.“ – Ziele des Klassenrates

Ich möchte mit diesem ersten Beitrag eine kleine Reihe zu einem mir persönlich sehr wichtigen Thema anlegen: Der Klassenrat.

Ich bin bereits sehr früh damit, schon während meiner Studien- und Praktikazeit, in Kontakt gekommen und war von Beginn an Feuer und Flamme! Als ich dann meine erste eigene Klassenleitung bekam, stand für mich fest, dass dieses wichtige Instrument in meiner Klasse auf keinen Fall fehlen darf! In mehreren Beiträgen möchte ich daher über den Klassenrat informieren, theoretische Hintergrundinformationen liefern sowie konkrete Erfahrungen aus der Praxis erläutern.

Heute beginnen wir mit einem recht theoretischen, wenn auch sehr wichtigen, Thema: Was sind überhaupt die Ziele des Klassenrates? Damit ihr nicht gleich aufhört zu lesen, möchte ich euch beruhigen: Ich werde es so kurz wie nötig halten und versuchen, Vieles auf seine Hauptaspekte zu reduzieren.

Worum geht es hier überhaupt?

Schule hat u.a. die Aufgabe der Demokratieerziehung. Dieser kann sie jedoch „nur gerecht werden, wenn sie Kindern und Jugendlichen kontinuierlich die Möglichkeit gibt, Demokratie als Lebensform zu erfahren“ (Friedrichs 2014, S. 12). Es geht also darum, dass Schülern schnell bewusst erfahrbar gemacht wird, dass sie schlichtweg in ihrem Schulleben ein Mitbestimmungsrecht haben. Natürlich wollen sie entscheiden können, eigene Ideen einbringen, die über den Unterricht und das Fachliche hinausgehen.

Aber wie schafft man dafür am besten einen Ort? Der Klassenrat ist dafür die geeignete Variante, um all das zu verwirklichen, denn er ist vor allem eins: Gelebte Demokratie! An keinem anderen Ort sprechen meine Schüler nicht bloß über Demokratie, sondern sie erleben sie! Das alles geschieht in einem klar strukturierten und geschützten Rahmen.

Wöchentlich tagt der Klassenrat, alle Schülerinnen und Schüler sind in einem Kreis versammelt und regeln die Belange der Klasse. Es wird diskutiert, zugehört, nach Lösungen gesucht und am Ende demokratisch abgestimmt. Natürlich wird all das auch protokolliert! Beispielsweise wird von einer Schülerin vorgebracht, dass sie einer ihrer Mitschüler immer wieder herunterputzt und sie schlecht macht. Betreffender Schüler hat nun die Möglichkeit, sich dazu zu äußern und seine Sicht der Dinge mitzuteilen. Nachdem dies geschehen ist, sind nun alle anderen Schülerinnen und Schüler, auch Ratsmitglieder genannt, an der Reihe, um ihre Vorschläge mitzuteilen, wie wir diese Situation lösen können. Am Ende werden zwei Vorschläge gebündelt und es wird über diese beiden abgestimmt. Von nun an muss sich der Schüler an die Absprachen halten und es wird ebenso überprüft, ob er dies auch tut. So sah es letztens in meiner Klasse aus und gibt euch einen ersten groben Eindruck, worum es grundsätzlich gehen kann.

Ich möchte an dieser Stelle die wichtigsten Argumente für den Klassenrat nennen:

  • Erziehung zur Demokratiefähigkeit:
    • Mut zur eigenen Meinung
    • Toleranzbereitschaft
  • Vermittlung von wichtigen Kompetenzen:
    • Diskussionen leiten
    • protokollieren
    • konstruktiv kommunizieren
  • Förderung eines guten Klassenklimas
  • Identifikation mit der eigenen Klasse
  • Zusammenwachsen als Klassengemeinschaft
  • Stärkung des Einzelnen

 

All das beobachte ich bei meinen Schülerinnen und Schülern in jeder Sitzung: Sie werden selbstständiger, können immer besser ihre Meinung kommunizieren, aber auch anderen zuhören und finden konstruktive Lösungsvorschläge.

Sie selbst sind jedes Mal völlig begeistert, wenn wieder einmal der Klassenrat tagt, weil nun ihre Zeit ist. Zeit für ihre Probleme, ihre Ideen, aber auch für ihr Lob an andere Klassenkameraden, denn das kommt bei uns nie zu kurz.

 

Literatur:

Friedrichs, Birte (2014): Praxisbuch Klassenrat. Gemeinschaft fördern, Konflikte lösen, 2. Auflg., Verlag: Beltz.

 

Weiter geht’s im nächsten Beitrag mit der Implementierung in der eignen Klasse: Wie gehe ich da am besten vor und was muss ich beachten?

 

 

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