Lustiges aus dem Unterricht

Fünftklässler als kreative Wortneuschöpfer – Eine Berichtigung mal anders

Es sollte heute eine ganz normale Deutschstunde werden, in der wir den Aufsatz zu „Spannend erzählen können“ berichtigen. Doch ich rechnete nicht mit der Kreativität und Gerissenheit meiner Schüler.

 

Einfach berichtigen kann ja jeder

Zunächst einmal vorweg: Ich bin es leid, einfach einen Aufsatz zurückzugeben und den Schülern dann zu sagen, dass sie eine Berichtigung ihrer Rechtschreib- und Grammatikfehler im Arbeitsheft anfertigen sollen. Was bringt es ihnen? Sie schreiben im schlimmsten Fall stumpf das Wort dreimal auf und haben letztendlich auch nichts davon gelernt. Vielleicht hat man als Lehrer an dieser Stelle die Hoffnung, dass sich das wiederholte Richtigschreiben eines Wortes dadurch automatisiert und die Schüler es dann irgendwann in ferner Zukunft richtig schreiben, aber sicher ist das nicht.

Also entdeckte ich für mich eine andere Art der Berichtigung. Während ich die Klassenarbeiten korrigiere, lege ich parallel dazu am Laptop eine Datei mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern aus Schülerarbeiten an. Daraus bastele ich am Ende anonymisiert ein Arbeitsblatt, welches die Schüler dann in der Stunde der Rückgabe bekommen. So müssen sie dann beispielsweise in der Lage sein, die gemachten Fehler einerseits zu verbessern und andererseits auf die dahinter liegenden Rechtschreib- oder Grammatikregeln zu verweisen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass dies nur funktionieren kann, wenn es sich um Phänomene der Rechtschreibung und Grammatik handelt, die auch bereits im Unterricht besprochen wurden. So lässt sich gleichzeitig noch einmal der erlernte Stoff einer anderen Einheit wiederholen und festigen. Eine für mich sehr gelungene Variante, um das stumpfe fehlerfreie Abschreiben ohne großen Lernerfolg zu vermeiden.

 

„anschbrechbar“ – Die neue „Ansprech-Bar!“

So kam es dann dazu, dass meine Schüler das offensichtlich falsch geschriebene Wort „ansprechbar“ berichtigen sollten. Viele davon konnten mir auch die richtige Schreibweise buchstabieren und erklären, aber dann meldete sich einer meiner Schüler mit einer überaus lustigen und fixen Idee. „Es könnte doch aber auch die ‚Ansprech-Bar‘ sein.“ Ich entgegnete: „Was kann ich mir denn darunter vorstellen?“ Ein weiterer Schüler kam zu Wort: „Naja, eine Bar, in der sich Betrunkene mit dem Barmann unterhalten können. Sonst will sich ja keiner mit denen unterhalten.“ Eine sehr interessante Idee! Auf so etwas wäre ich so schnell nicht gekommen! Schlummern in meinen Schülern etwa „Vermarktungsexperten“ auf der Suche nach neuen kosmopolitischen Ideen? Ich fand die Idee auf jeden Fall sehr witzig, so auch der Rest der Klasse, der sich kurz angeregt darüber austauschte, was man darunter alles verstehen könne. Ich nutzte die Gelegenheit, wenn auch zu früh, das Wort „Neologismus“ einzustreuen. Die besonders wissbegierigen Schüler notierten sich dies und waren ganz begeistert, ein neues Fremdwort dazu gelernt zu haben. Auch so kann Deutschunterricht laufen. Spontaneität siegt!

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