„Ich war mit der Situation völlig überfordert“ – Wie man Regelverstößen durch ein Interventionsprogramm begegnen kann

Es ist Dienstagmittag im Lehrerzimmer. Eine Referendarin sitzt etwas ermattet am Tisch mir gegenüber und starrt ins Leere. Ich spreche sie an und frage, ob alles in Ordnung sei. Daraufhin schildert sie mir einen Vorfall in ihrer eigenverantwortlich geführten Klasse.

Ein Schüler habe sich mehrmals massiv nicht an die vereinbarten Regeln gehalten. Sie sprach ihn immer wieder darauf an und zog letztendlich die Konsequenz und wollte ihn zum Schulsozialarbeiter schicken. Leider weigerte sich dieser Schüler und blieb sitzen. Normaler Unterricht war dann kaum noch möglich. Ihre mir geschilderten Gefühle grenzten stark an absoluter Überforderung und der Frage, wie man hier Herr bzw. Herrin der Lage werden kann.

Die Grundannahmen

Zunächst müssen wir uns grundsätzlich mit ein paar wichtigen Annahmen beschäftigen, die den Bereich der „Störungen“ skizzieren wollen:

  1. Es gibt immer eine Motivation für regelwidriges Verhalten.
  2. In Grenzen können Störungen „normal“ sein („denn jeder ist unterschiedlich und will nicht immer das Gleiche“).
  3. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich und entscheidet sich in diesem Moment für regelkonformes oder -widriges Verhalten.

Das Interventionsprogramm

Ein Interventionsprogramm, wie es an meiner Schule und in meinem Unterricht gerne praktiziert wird, ist dreistufig aufgebaut. Die hier vorgestellten Maßnahmen sollen als Anregung verstanden werden und müssen unbedingt vorher mit jeder Klasse sorgfältig abgesprochen werden.

Reaktion auf den 1. Regelverstoß

Der Jugendliche bekommt dabei sowohl eine verbale (durch Nennung seines Namens) als auch eine visuelle Rückmeldung. Diese kann unterschiedlich erfolgen. Folgende Ideen sind hier möglich:

  • gelbe Karten zeigen
  • Namenskarte auf einer Farbtafel versetzen
  • Namen an die Tafel, auf ein Plakat etc. schreiben und mit einem Strich versehen

Durch die Hinweise wird der Jugendliche für sein Verhalten sensibilisiert und bekommt sofort eine klare Rückmeldung. Wichtig ist hier, dass auch kleine Regelverstöße sofort rückgemeldet werden müssen (Mehr hierzu: Je „schwieriger“ die Klasse – desto wichtiger der Start)

Reaktion auf den 2. Regelverstoß

Folgende Fragen an den Jugendlichen können hier sehr hilfreich sein, um ihn für sein erneutes Verhalten zu sensibilisieren und ihm Denkanstöße für mögliche negative Konsequenzen aufzuzeigen:

  • Was machst du gerade?
  • Welche Regel hälst du gerade nicht ein?
  • Was möchtest du weiterhin tun: Hier mitmachen oder stören, möchtest du bleiben oder schon gehen?
  • Woran kann ich sehen, dass du hier bleiben möchtest, was machst du jetzt anders?
  • Was passiert, wenn du doch noch einmal störst?
  • Was machst du, wenn du wiederkommst?

Wir sollten niemals vergessen, dass jegliches störendes Verhalten für den betreffenden Jugendlichen häufig positive Effekte evoziert (Aufmerksamkeit, Lacher usw.) und ihn meistens weiter motiviert, zu stören. Dies wird sehr wahrscheinlich auch in unserem Fallbeispiel der Referendarin zutreffend gewesen sein. Stellen wir ihm jedoch Fragen, die zum Nachdenken animieren, wird sein Blick auf die negativen Konsequenzen gelegt. Dies hilft ihnen, ihr Verhalten zu überdenken und eine Entscheidung zu treffen.

Reaktion auf 3. Regelverstoß

Lehrer/in: „Ich habe beobachtet, dass du…, und damit hast du dich nun doch entschieden, hier nicht länger mitmachen zu wollen. Geh‘ bitte zu…/ setze dich bitte dorthin…“

Dies wäre eine Variante, wenn das regelwidrige Verhalten des Jugendlichen so massiv ist, dass kein normales Unterrichten mehr möglich ist. Andere Varianten, wie man beim dritten Fehlverhalten vorgehen kann, habe ich bereits in einem anderen Beitrag (Hier) erläutert.

Natürlich sollten massive Äußerungen von Gewalt bestenfalls sofort zu einem Ausschluss führen. Aber auch das sollte den Jugendlichen zu Beginn alles ausführlich erklärt werden.

Ruhe und Gelassenheit

Jegliche Art der Intervention erfordert vor allem eins: Ruhe, Sachlichkeit und Gelassenheit. Es sollte stets eine klare Trennung zwischen Verhalten und Person erfolgen! Verallgemeinerungen, wie „schon wieder“ oder „immer“ o.ä. sollten unbedingt vermieden werden!

 

Was passiert aber, wenn ich einen Jugendlichen wirklich des Raumes verweise? Muss er etwas tun? Hierzu werde ich im nächsten Beitrag informieren.

Wie ist es bei euch? Hat eure Schule vielleicht sogar ein ausgefeiltes Interventionsprogramm? Wie macht ihr das in der Praxis? Hier gibt es ja tausend und eine Möglichkeiten 😃

Literatur:

Pflug, Dagmar: Soziales Kompetenztraining „Gut drauf – gut dran“: Angebote für Kinder und Jugendliche in der Schule und anderen sozialen Kontexten

Wohin nur mit den ganzen Arbeitsblättern?! – Meine halb-digitale Lösung

In meinem vergangenen Blogbeitrag   „Ich packe meine Lehrertasche…“ habe ich bereits darüber gesprochen, dass ich für jede Klasse Sammelmappen angelegt habe, damit der Ballast in der Lehrertasche möglichst gering ausfällt. Dieses System kann natürlich nur funktionieren, wenn man seine Arbeitsblätter regelmäßig abheftet. Wie ich das mache und welches System ich für mich entdeckt habe, erfahrt ihr hier:

Digitale Archivierung

Da ich einen Großteil meiner Arbeitsblätter digital erstelle, habe ich sie immer auf meinem MacBook gespeichert und lege alle paar Wochen ein zusätzliches Backup auf einer externen Festplatte ab. So habe ich eigentlich immer alle Arbeitsblätter digital parat.

Dennoch habe ich ganz gerne manchmal meine aktuellen Arbeitsblätter einer Einheit noch einmal analog in einer Mappe, um am Ende des Schuljahres einen Überblick zu bekommen, damit ich ggf. die manuell durchgeführten Änderungen auf den Arbeitsblättern auf meine digitale Version übertragen kann. Aber natürlich häufen sich diese Zettel ungemein.

Welches System eignet sich dafür am besten, um möglichst unkompliziert eine gute Übersicht zu erhalten?

Hängeregistratur

Ich habe mich dafür entschieden, einen großen Aktenschrank von Ikea zu kaufen, um dort auf drei große Schubladen verteilt, meine Hängemappen pro Fach einzuhängen. Mit oben aufgesetzten Reitern kann ich sofort die Themen erkennen. Jedem bleibt es dabei selbst überlassen, wie weit man hier differenzieren möchte. Ich nehme meine Einteilung pro Reiter wirklich sehr kleinschrittig vor, sodass ich zwar relativ viele Hängemappen pro Thema, dafür aber dünne habe.

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Um die Ecke gedacht

Hängeregistraturen eignen sich auch im Klassenraum hervorragend für das Sammeln von Arbeitsblättern. In meiner Klasse hat jeder Schüler eine eigene Hängemappe, in welche sämtliche Arbeitsblätter bei Krankheit des Schülers hinterlegt werden.

Ablauf des Klassenrats

Meine Schüler haben den Ablauf des Klassenrats sehr schnell verinnerlicht und in diesem Beitrag soll es deswegen darum gehen, wie man diesen möglichst übersichtlich und strukturiert gestaltet. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werde ich hier zunächst nur den Ablauf vorstellen und tiefergehende Themen in einem neuen Post erörtern.

Klassenrat eröffnen

Alle Mitglieder stellen ihre Stühle in einem Stuhlkreis auf. Der/die Protokollant/in bereitet währenddessen das Protokoll vor. Der/ die Vorsitzende holt die Klassenratspost aus dem Briefkasten und hängt die Wandzeitung ab. Mit dem Ändern der Sitzordnung ist allen klar, dass nun der Klassenrat beginnt. Der/die Vorsitzende eröffnet den Klassenrat.

Beschlüsse prüfen

Der/ die Vorsitzende bittet den Protokollanten nun, die Beschlüsse des letzten Klassenrats vorzulesen. Falls es dazu noch offene Themen gibt, die diskutiert werden müssen, werden diese in die aktuelle Tagesordnung aufgenommen.

Tagesordnung festlegen

Der Protokollant liest vor, welche Punkte des letzten Klassenrats wieder neu in die aktuelle Tagesordnung aufgenommen werden.

Der/ die Vorsitzende liest die Klassenrats-Post vor und vergewissert sich, dass alle Anliegen noch aktuell sind. Sind sie dies nicht mehr, können sie gestrichen werden. Die Ratsmitglieder stimmen im Anschluss ab, welche Themen priorisiert behandelt werden sollen. Der/ die Zeitwächter/in legt für jedes Thema eine Bearbeitungszeit fest und notiert diese im Protokoll.

Anliegen besprechen

An dieser Stelle möchte ich zunächst lediglich den groben Ablauf vorstellen, da dies der zentrale Punkt im Klassenrat ist und noch einmal einer gesonderten Erörterung bedarf.

  1. Anliegen vorstellen
  2. Vorschläge diskutieren
  3. Lösungen finden
  4. Aufgaben verteilen

Klassenrat abschließen

Der/die Zeitwächter/in ist hier besonders wichtig, weil er/sie 5 Minuten vor Ende daran erinnert, dass die Ergebnisse des Klassenrats zusammengefasst und dieser ausgewertet werden muss. Der Vorsitzende bittet im Anschluss daran, die Beschlüsse des Klassenrats vorzulesen. Danach wird in die Reflexion über das Gelingen bzw. Nicht-Gelingen des Klassenrats eingeleitet und alle Ratsmitglieder können sich per Handzeichen oder in einer Blitzlichtrunde zum Verlauf des Klassenrats äußern. Zuletzt äußert sich der/die Regelwächter/in dazu, ob die Regeln eingehalten wurden oder wo Probleme bestanden.

Ich hoffe, ich konnte euch schon einmal einen Überblick über den Ablauf des Klassenrats geben, weil dieser doch für viele noch nicht ganz klar war ☺️ Macht ihr das ähnlich? Später folgen noch konkrete Beispiele aus meinem Unterrichtsalltag.

 

„Ich achte so sehr auf den Unterricht, dass ich vergesse, wie sich die Schüler organisieren sollen.“

Letztens lief ich mit gefühlt einer Tonne Schülermappen nach der 6. Stunde den Gang entlang und traf auf einen Referendar.

Er: „Na, hast du dir Lektüre für das Wochenende zum Bewerten mitgenommen?“

Ich: „Nein, nicht zum Bewerten, sondern zum Überprüfen, wie sich meine Schüler in ihrer Mappe organisieren.“

Ich schaute zuerst in ein erstauntes Gesicht und dann ging es auch schon los. Er berichtete mir, dass er so sehr mit der Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts beschäftigt sei, dass er häufig erst bei der Durchführung der Stunde merke, wie wenig Gedanken er sich zur Organisation der Schüler gemacht habe. Fragen, die ihn hier beschäftigen, sind vor allem:

  • Wie sollen Schüler Aufzeichnungen anfertigen?
  • Muss ich es ansagen, wenn sie etwas abheften sollen?
  • Wie sollen sie ein Blatt einteilen? Wo kommt das Datum hin, wie viel Platz sollen sie zwischen einzelnen Absätzen lassen?
  • Wie organisieren sie ihre Mappe? Sollen sie überhaupt eine Mappe führen oder lieber ein Heft?

Die Realität der Mappenführung

Sehr berechtigte Fragen, wie ich finde. Aus diesem Grund sammelte ich letzte Woche ohne Ankündigung die Mappen meiner Schüler ein (erst einmal nur aus einer Klasse) und werde sie nun auf ihre Organisation hin überprüfen. Dies mache ich vor dem Hintergrund einer für das neue Schuljahr von mir erdachten Überarbeitung ihrer Organisation. Häufig heften Schüler einfach nur alle Zettel in ihre Mappe. Bestenfalls legen sie ein Inhaltsverzeichnis an und nummerieren ihre Blätter. Aber im Verlauf des Schuljahres wächst dieser Zettelstapel und somit auch ihre Mappe ins Unermessliche.

Eine neue Idee muss her

Eine Aufteilung nach Themen? Fehlanzeige! Alles ist ein einziges großes Sammelsurium. Deswegen hatte ich die Idee, sie einen Ringbuchordner anschaffen zu lassen. Dort werden wir dann nach Themen sortiert die Arbeitsblätter und Zettel einheften. Als Abgrenzung der Themengebiete dienen ihnen dann Trennstreifen. So können sie sofort sehen, was wohin eingeheftet werden muss und wie viele Themen sie schon können und welche ihnen noch bevorstehen.

Dies erfordert jedoch eine gute Halbjahresplanung, also muss sehr gut vorausschauend geplant werden, um den Schülern zu Beginn des neues Schuljahres eine gute Übersicht der Themen geben zu können. Wichtig ist mir auch, dass sie nicht zu viel schleppen müssen. Aus diesem Grund reichen mir flexible Ringbuchordner. Wer natürlich möchte, darf auch einen harten Einband wählen. So könnte es dann in etwa aussehen:

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Wie ich eine gute Beziehung zu meinen Schülern aufbaue

Zunächst einmal möchte ich klären, warum eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung wichtig ist:

  • Meiner Erfahrung nach lernen Schüler besser.
  • Das Classroom-Management wird erleichtert, wenn die Beziehung zum Lehrer stimmt.
  • Besonders wichtig: Als Lehrer haben wir mehr Freude im Unterricht, wenn wir eine gute Beziehung zu unseren Schülern haben und das wiederum strahlen wir dann auch aus ☺️

Wie baue ich eine gute Beziehung zu meinen Schülern auf?

  1. Sich zu Beginn vor einer neuen Klasse vorstellen: Ich habe persönliche Dinge mitgebracht und die Schüler mussten erraten, was das mit mir zu tun hat. Weiterhin berichte ich immer über meine Laufbahn als Lehrerin, was mir besonders Spaß macht und warum ich überhaupt Lehrerin geworden bin. So wissen die Schüler, mit was für einem Menschen sie es grundsätzlich zu tun haben.
  2. Gerade „schwierige“ Schüler in den ersten Wochen intensiv beobachten und ihre kleinen positiven Fortschritte sofort rückmelden.
  3. Kurze persönliche Kontakte zu den Schülern herstellen.
  4. Identifikation mit der Klasse ermöglichen: Ich bastele immer zu Beginn des Schuljahres mit einer neuen Klasse ein Klassenschild, auf dem alle unterschreiben und das wir dann an unsere Klassenzimmertür hängen. Evtl. lässt sich sogar ein eigenes Klassenlogo entwickeln.
  5. Bei den Schülern nach ihren Hobbys erkundigen und dies ggf. in den Unterricht einfließen lassen. Dies sorgt dafür, dass Schüler im Unterricht hin und wieder Aktivitäten ausüben, die ihnen Spaß machen. So machen sie positive Erfahrungen im Unterricht.
  6. Interesse zeigen: So einfach kann es manchmal sein. Häufig macht es enorm etwas aus, wenn man bspw. fragt, wie der Lieblingsfußballverein der Schüler am Wochenende gespielt hat oder ob sie, wie am Freitag angekündigt, wirklich am Wochenende im Freibad waren und wie es ihnen dort gefallen hat.
  7. Außerschulische Aktivitäten planen.
  8. Höflichkeit und Respekt: Viele Schüler werden vor allem zu Hause missachtet, daher ist es gerade wichtig, dass wir sie mit Höflichkeit und Respekt behandeln. Was hier sehr nützlich ist? Schüler mit ihrem Namen ansprechen, auch wenn man sie auf dem Schulhof sieht und grüßt. Ein einfaches „Danke“ und „Bitte“ zeigt Wertschätzung.
  9. Lob: Gerade ältere Schüler wollen vielleicht nicht mehr vor der ganzen Klasse gelobt werden. Daher verfahre ich in solchen Fällen auf zweierlei Weise. Entweder gehe ich zum Schüler direkt hin und suche den Kontakt, um kurz und prägnant zu loben, sodass es die Mitschüler nicht verstehen oder ich lege ihm/ ihr eine kurze vorbereitete Karte auf den Tisch, auf der das Lob vermerkt ist. (Tipp: Diese Karten kann man bereits in einem größeren Stapel mit unterschiedlichen Arten von Lob vorbereiten und hat dann immer etwas griffbereit.)
  10. Lob an die ganze Klasse: Ein ernst gemeintes Lob fördert hier vor allem die Identifikation als Klassengemeinschaft und den Teamgeist.
  11. Lächeln! Niemals die Mimik vergessen. Ein Lächeln kann selbst angespannte Situationen manchmal entschärfen und die Schüler fühlen sich eher entspannt als bei einem Lehrer mit ernster Mine.

Wie macht ihr das? Gibt es weitere Möglichkeiten, eine gute Beziehung zu den Schülern aufzubauen?

Wie man ein positives Klima schafft und warum das so wichtig ist

An meiner letzten Schule (glücklicherweise war es nur eine Vertretungsstelle) saß ich oft im Lehrerzimmer und hörte immer wieder Kollegen, die sich lautstark über ihre unmögliche Klasse beschwerten. Manchmal bekam ich auch Gespräche mit, in denen schnell klar wurde, dass das Klima dort sehr negativ war. Ich will hier nicht sagen, dass man nicht auch mal sehr deutlich werden kann, aber mir kommt es hier auf eine Grundstimmung an, die eigentlich in jeder Klasse vorherrschen sollte. Und wo fange ich da an? Beim Lehrer selbst!

Auf den Lehrer kommt es an – Wir prägen unser Klassenklima entscheidend

Vielen Kollegen ist es vielleicht im ersten Moment gar nicht so bewusst, weil sie sich häufig auf das Fehlverhalten ihrer Schüler konzentrieren und sich darüber beschweren, anstatt bei sich selbst anzufangen. Ich möchte hier keinen in ein negatives Licht rücken, nur verlernt man über die Jahre im Schuldienst gerne die großartige Fähigkeit der Selbstreflexion. Wir halten die Schüler immer wieder an, in bestimmten Phasen sich und ihre Lernfortschritte zu reflektieren, machen es aber selbst zu wenig. Dabei können wir selbst sehr viel tun, um ein positives Klima herzustellen. Bei dieser Reflexion möchte ich mit den folgenden Ideen ein wenig unterstützen.

Warum ein gutes Klassenklima wichtig ist

Auch wenn wir es manchmal nicht glauben, aber wir sind häufig Vorbilder für unsere Schüler. Einige lassen es uns nicht sofort erkennen, aber viele orientieren sich an uns. Daher sollte es unser Bestreben sein, diese Vorbildfunktion auch zu nutzen. Im Sinne des Classroom-Managements ist es eines der Ziele, ein interaktives Klassenklima herzustellen. Damit dies gelingt, bedarf es eines positiven Klimas. Dies meint vor allem positive Interaktionen zwischen Lehrer und Schüler, als auch unter den Schülern.

Einfache Maßnahmen reichen aus

Würde man nun Pädagogikratgeber durchforsten, werden einem dort sicherlich die hochtrabendsten Vorschläge unterbreitet. Meiner Erfahrung nach reichen für eine gute Grundlage, mit der man arbeiten kann, einfache Dinge, die ich hier nun auflisten möchte, damit man nicht zu denjenigen Kollegen gehört, die nur das Negative in ihrer Klasse sehen und nicht wissen, wie sie es beheben können.

  1. Ruhig und höflich sprechen: Natürlich werden wir auch provoziert. Was hilft? Tief durchatmen, an das Gute in jedem Schüler glauben, und dann immer sachlich und ruhig bleiben, denn eine ruhige Stimme signalisiert vor allem eins: Selbstkontrolle. Und so etwas spüren Schüler! Gerade wenn sie vielleicht frustriert, aggressiv, verunsichert etc. sind, können sie durch eine ruhige Stimme Sicherheit und Akzeptanz verspüren. Auch kleine Wörtchen wie „bitte“, „entschuldige“, „danke“ wirken wahre Wunder.
  2. Häufiges Loben und positives Verstärken: Wir sind sehr häufig darauf gepolt, negatives Verhalten zu erkennen und dann zu unterbinden. Wie wäre es denn mal, wenn wir uns auch auf positives Verhalten konzentrieren würden? Wenn Schüler etwas gut machen, sofort loben. Vor allem diejenigen, die als besonders herausfordernd gelten. Betrachtet auch die kleinen positiven Fortschritte und würdigt sie. Es kommt an, denn den Schülern wird so vermittelt: „Ich sehe dich. Ich nehme dich wahr und du bist toll, so wie du bist.“ In der Regel ist das Umdenken für uns Lehrer ein lebenslanger Prozess.
  3. Das Wir-Gefühl der Klasse stärken: Nur weil die Schüler mehrere Stunden in einem Raum zusammen verbringen, heißt das nicht automatisch, dass sie eine Klasse sind. Man muss investieren: Sozialtraining, Spiele, gemeinsame Erlebnisse (gerne auch außerschulisch). All das fördert einen Zusammenhalt. Man muss es schaffen, dass sie sich mit ihrer Klasse identifizieren. Wenn ich mit meiner Klasse bei gemeinsamen Aktionen mitmache (sei es eine Exkursion oder ein Sportturnier), legen wir alle zu Beginn die Hände übereinander, ich rufe „Wer sind wir?“ und sie antworten dann mit dem Namen unserer Klasse. Noch dazu spreche ich sie häufig als Klasse an und rede oft in „wir“. Vor allem sollte man aber hier viel in das soziale Gefüge investieren. Der Klassenrat bildet auch hier eine gute Grundlage.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, warum ein positives Klassenklima so wichtig ist (damit wir nämlich nicht zu nörgelnden Lehrern werden und die Schüler sich nicht sicher fühlen) und welche einfachen Maßnahmen schon ausreichen, um dieses zu erreichen ☺️

Abklatschen für cooles Verhalten

Die Klasse ist laut, ständig ruft irgendwer dazwischen, man bekommt keine Ruhe herein. Freitags war das häufig bei den Kleinen so. War…denn auch hier gibt es kleine Mittel und Wege, an dem Verhalten der Schüler zu arbeiten und gleichzeitig eine gute Beziehung aufzubauen.

Auf einmal war alles anders

Als ich heute den Klassenraum einer bisher recht unruhigen 5. Klasse betrat, die aber durch ihre Art insgesamt ganz lieb ist, war ich erstaunt, wie ruhig es doch war. Für ihre Verhältnisse waren sie richtig gut drauf. Im Verlauf der Stunde machten sie super mit, wir lasen gemeinsam in unserer Lektüre weiter, jeder nahm jeden ausgewogen dran und alles war total harmonisch.

Brachte da mein permanentes Loben der positiven Verhaltensweisen nun doch etwas? Ich denke schon.

Wie lobe ich nun die gesamte Klasse?

Nachdem auch die gesamte Stunde so gut verlief, wollte ich die Klasse loben. Doch wie? Einfach es nur zu sagen, erschien mir zu wenig. Ich hatte da auch schon seit Längerem eine Idee, die ich mir ein wenig von meinen amerikanischen Kollegen abgeschaut hatte. Abklatschen! Wie oft sieht man es auch hier, dass sich die coolen Kids zur Begrüßung in irgendeiner Form die Hände schütteln, sich quasi abklatschen. Warum nicht auch wir?

„Sie sind die coolste Lehrerin!“

Also lobte ich sie alle für ihr Verhalten und erklärte ihnen, was ich genau gut fand (für Transparenz sorgen) und erzählte ihnen mit ein wenig schauspielerisch unterlegtem Ton, dass ich für so ein cooles Verhalten auch jeden einzelnen Schüler beim Verlassen des Klassenraumes abklatschen möchte. Sie konnten sich die Form selbst aussuchen.

Und siehe da: Jeder wollte abklatschen. Also klatschte ich 25x mit jedem Schüler ab und sie fanden es großartig! Gegen Ende bekam ich dann auch noch Lob als coolste Lehrerin!

Zufriedene Schüler, zufriedene Lehrerin ☺️ Die kleinen Dinge machen es manchmal aus!