Das Rückkehrplan-Coaching oder: Störungen sind normal, nur wie gehe ich damit um?

Diese Woche habe ich an meiner Schule ein Coaching zur Arbeit mit Rückkehrplänen mitgemacht. Ich hatte bereits in einem meiner Artikel über die Arbeit mit diesen informiert (Hier gelangst du zum Artikel.). Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein paar zusätzliche Informationen zu liefern, die euch das System transparenter machen sollen.

„Störungen sind normal“ – Die Grundannahmen

Wir gehen zunächst einmal grundsätzlich davon aus, dass Störungen im Schulalltag normal sind. Ich denke, dass jeder von euch sich an einige Situationen erinnern kann, in denen er das Gefühl hatte, dass Schüler mit ihrem Verhalten den Unterricht stören. Wichtig ist hier zu verstehen, dass jedes Verhalten immer auch einen Grund hat. Dies kann für uns manchmal sehr banal sein, für den störenden Schüler ist es in dem Moment aber seine innere Motivation. Als Lehrer könnten wir hier schnell den Fehler machen, das Verhalten eines Schülers nicht von seiner Person zu trennen, indem wir bspw. Folgendes formulieren: „Schon wieder redest du dazwischen. Hast du es immer noch nicht verstanden?“ Viel besser wäre es aber, nur auf das Verhalten des Schülers zu reagieren. Im oben genannten Beispiel kommt noch erheblich hinzu, dass verallgemeinert wird. Man sollte aber seine Äußerungen lieber auf die konkrete Situation beziehen und dem Schüler klar machen, dass sein Verhalten einen als Lehrperson dazu zwingt, folgende Maßnahmen zu ergreifen. Den Schülern muss klar sein, dass sie selbst entscheiden, was sie tun. Immerhin werden sie nicht ferngesteuert. Diese Botschaft kommt bei einigen Schülern nur sehr schleppend an, daher ist es umso wichtig, ihnen dies immer wieder auch verbal vor Augen zu führen. Wir sollten als Lehrer dementsprechend die Motivationen unserer Schüler für ihr Verhalten verstehen, müssen aber damit nicht einverstanden sein.

Die Voraussetzung – Das eigene Regelwerk

Damit ihr überhaupt das Verhalten von Schülern ermahnen könnt, solltet ihr euch zuvor ein paar Fragen selbst beantworten:

  1. Was erlaube ich in meinem Unterricht?
  2. Was lehne ich auf jeden Fall ab?
  3. Welchen Ermessensspielraum gestehe ich mir selbst zu?

Wer sich hier noch unsicher ist, kann sich gerne meinen Erwartungskatalog unter der Kategorie „Downloads“ genauer anschauen. Hier habe ich für meine Schüler meine Erwartungen an sie formuliert. Somit ist auch für mich klar, was ich in meinem Unterricht erlaube und wo meine Grenzen sind.

Der ausgefüllte Rückkehrplan – Wie gehe ich damit jetzt um?

Da ich bereits in einem anderen Artikel berichtet habe, wann ein Schüler einen Rückkehrplan bekommt und ausfüllen soll, möchte ich euch nun genauer darüber informieren, wie ihr mit dem ausgefüllten Rückkehrplan umgehen könnt.

  • Bei der Rückkehr des Schülers mit dem Plan notiert ihr euch die Uhrzeit und tragt diese ein. So könnt ihr überprüfen, wie lange der Schüler mit dem Ausfüllen des Plans beschäftigt war.
  • Bei einer Akzeptanz des Plans ist der Vorgang beendet, die Striche hinter dem Namen werden entfernt und der Schüler kann wieder 3 Ermahnungen bekommen, eher der nächste Plan ausgefüllt werden muss. Das erneute Ausfüllen eines weiteren Plans wird an dem vom Schüler auf dem ersten Rückkehrplan vorgeschlagenen Verhalten gemessen.
  • Akzeptiert ihr den Plan nicht, muss ein neuer ausgefüllt werden. Dazu müsst ihr mit den Schülern in einer ruhigen Minute kurz besprechen, an welchen Stellen ihr noch unzufrieden seid. Dies könnte bspw. während einer Arbeitsphase erfolgen.

Konsequenzen

Damit den Schülern die Tragweite ihres Verhaltens bewusst wird, sollte es dementsprechende Konsequenzen geben. An meiner Schule wurde daher folgendes System ausgearbeitet, welches sich bisher bewährt hat:

  1. Ist der Plan nicht vollständig ausgefüllt, bietet ihr dem betreffenden Schüler eine Hilfestellung an und lasst den Plan erneut neu ausfüllen. Sollte der Schüler dann nicht bereit sein, den Bogen erneut auszufüllen, gilt dies als Verweigerung. Ein möglichst zeitnahes Elterngespräch ist einzuberaumen. Am besten ruft ihr noch am selben Tag zu Hause an.
  2. 2 Pläne in einer Stunde oder Verweigerung, den Plan auszufüllen –> Elterngespräch
  3. 6 Rückkehrpläne im Halbjahr –> Elterngespräch. Hier ist es am besten, wenn die Fachlehrer im engen Kontakt zur Klassenleitung stehen und dort immer eine Rückmeldung geben.
  4. Sobald es zu einem Elterngespräch kommt, werden die Zeiten auf den nächsten 6 Rückkehrplänen notiert und müssen zeitnah nachmittags nachgearbeitet werden.
  5. Tritt keine Verhaltensänderung ein, kann der Schüler bspw. nicht zu Ausflügen mitgenommen werden.
  6. Ist der Schüler weiterhin nicht bereit, sein Verhalten zu verändern, wird das Schulleitungsteam informiert und das weitere Vorgehen besprochen.

Prävention durch Classroom Management

Da hier natürlich eher das negative Verhalten eines Schüler betrachtet wurde, welches durch eine angeleitete Reflexion zu Besserungen führen soll, muss natürlich ausdrücklich erwähnt werden, dass gezieltes und gutes Classroom Management, welches vor allem die Schüler in ihrem Verhalten positiv bestärkt, eine gute Prävention darstellt. Näheres hierzu könnt ihr hier in weiteren Artikeln erfahren. Dennoch kann es immer mal wieder zu Störungen kommen, denen man möglichst sofort begegnen sollte, damit aus diesen kleinen keine größeren Probleme werden.

➡️ In diesem Sinne möchte ich euch ein Zitat aus meinem Coaching mit auf den Weg geben: „Gewähren lassen heißt: Die Führungsrolle abzulehnen und Opfer billigend in Kauf zu nehmen!“ (online: www. Thorsten Schuhmacher.com)

 

Advertisements

Wie kann ich die „Think-Pair-Share-Struktur“ in meinen Unterricht einbauen?

Think-Pair-Share ist eines der wichtigsten Grundmuster des kooperativen Unterrichts. Dabei wird der Unterrichtsverlauf in eine Einzelarbeitsphase, eine Phase des Austausches zwischen Partnern und der Vorstellung in Gruppen oder im Plenum unterteilt. 

Welche Vorteile hat diese Struktur?

Denken, austauschen, vorstellen – Ein Grundmodell, welches vor allem eines hat: Die Schüler im Blick. Es geht darum, dass es den Schülern dabei hilft, ihren Aneignungsweg eigenverantwortlich zu gestalten und neues Lernen an alte Erfahrungen anzuknüpfen. In dem Moment, wenn sie zunächst selbstständig und in Einzelarbeit nachdenken müssen, sind sie aktiv. Sie denken nach. Im Austausch mit anderen werden sie erneut aktiv. So gesehen sind alle Schüler gefragt, alle werden einbezogen und sind aktiv. Der Vorteil: Mangelnde Mitarbeit kann zu einem großen Teil reduziert werden. Gleichzeitig wird so die Teamfähigkeit der Schüler gefördert und ein Ausgeschlossensein kann verhindert werden.

Einsatzmöglichkeiten zu Stundenbeginn

  1. Einzelarbeitsphase – Denken 💭  (Think)

Häufig beginne ich meine Stunde mit ein paar einführenden Worten, die auf die Anbindung an die vergangene Stunde abzielen. Dies kann dann bspw. so aussehen: „Denkt noch einmal an die letzte Deutschstunde zum Thema „Fabelmerkmale“ zurück. Notiert in den folgenden zwei Minuten eure Gedanken dazu.“ Alle Schüler werden nun in einer ersten Eizelarbeitsphase aktiv und schreiben ihre Gedanken auf.

Alternative: Gerne sorge ich hier für Abwechslung in der Art und Weise dieser Wissensanknüpfung. Bspw. könnte man die Buchstaben des Alphabets aufschreiben lassen und zu jedem Buchstaben einen Gedanken oder einen Satz notieren lassen. Fällt ihnen zu einem Buchstaben nichts ein, machen sie mit dem nächsten weiter. Als abgespeckt Variante können auch nur die ersten fünf Buchstaben des Alphabets genommen werden.

2. Austauschphase – Partnerarbeit 👥 (Pair)

In dieser Phasen wenden sich die Schüler ihren Sitznachbarn zu. Möglich wäre es hier auch, zu Beginn die Paare zu bestimmen, indem bspw. durchnummeriert wird. Alle Schüler sind nun wieder aktiv und tauschen sich über ihre Gedanken aus. Dies dauert meistens nicht sehr lange, fordert jedoch sofort die Kommunikationskompetenz der Schüler und sorgt für einen Wissensaustausch. Selbst zuvor fehlende Schüler finden so wieder einen Anschluss. Alle Schüler schaffen sich durch diesen Austausch selbst die Voraussetzungen für neues Lernen.

3. Vorstellung im Plenum oder in Kleingruppen 👤👥 (Share)

Im Anschluss teilen die Schüler ihre Ergebnisse mit. Man kann als Lehrer diese aufgreifen und somit in das neue Unterrichtsthema überleiten.

IMG_0250.jpg

Austausch in Partnerarbeit

Einsatzmöglichkeiten in Erarbeitungsphasen

Nach gleichem Prinzip kann auch in längeren Erarbeitungsphasen verfahren werden. Die Materialbearbeitung erfolgt dann zunächst ebenfalls erst in Einzelarbeit. Diese Methode lässt sich auch mit der „Bus-Stop-Methode“ kombinieren.

Wichtiger Hinweis: Jede neue Methode oder jedes neue Modell muss eingeübt werden. Gebt euren Schülern die nötige Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Besprecht mit ihnen auch ihr Verhalten in den einzelnen Arbeitsphasen.

Reaktionen meiner Schüler auf die „Think-Pair-Share-Struktur“

Ich habe mir die Mühe gemacht und die Struktur mit meinen Schülern ausgewertet und besprochen. Hier seht ihr nun ein paar dieser Reaktionen:

„Ich komme dadurch besser in die Stunde rein, weil ich Zeit zum Nachdenken habe.“

„Wir können sogar Einzelarbeit und sind ruhig!“

„Durch die stille Einzelarbeit kann ich mich besser konzentrieren.“

„Der Austausch mit meinem Partner hat mir Spaß gemacht. Wir konnten uns gegenseitig helfen.“

„Die Gruppenarbeit klappt immer besser.“

Weiterführende Literatur: 📖

Mattes, Wolfgang: Methoden für den Unterricht. Schöningh 2017.

Thomes, Arthur: Produktive Arbeitsphasen. 100 Methoden für die Sekundarstufe.

Harris, Bryan: Mehr Motivation und Abwechslung im Unterricht. 99 Methoden zur Schüleraktivierung.

👥 Nutzt ihr dieses Modell häufig? Wollt ihr es nun umsetzen? Lasst uns darüber sprechen und hinterlasst einen Kommentar 😊

Eine Deutscharbeit mithilfe von QR-Codes und Lernsnacks berichtigen

In dieser Woche startete bei mir wieder die Schule, somit auch die Rückgabe diverser Arbeiten. Gerade eine meiner Deutschklassen bereitete mir Sorgen. Viele schienen trotz intensiver Übungsphasen immer noch nicht so ganz die textgebundene Erörterung verstanden zu haben. Dies spiegelten die Arbeiten gut wider. Doch wie lasse ich diese Arbeit berichtigen, damit sie ihr fehlendes Wissen bzw. ihre fehlenden Kompetenzen einüben können? Ein schlichtes Berichtigen auf der Rechtschreib- und Grammatikebene hätte dem fehlenden inhaltlichen Wissen nicht Rechnung getragen.

Die Idee: QR-Codes, Erklärvideos, Lernsnacks

Um meine Schüler für die Berichtigung zu motivieren und um gleichzeitig ihr Wissen zu vertiefen, suchte ich im Netz nach guten Erklärvideos, die vor allem noch einmal den Aufbau und die Analyse des zugrunde liegenden Textes thematisierten. Ich wurde schnell fündig. Diese Erklärvideos verpackte ich als QR-Codes, sodass meine Schüler diese nur noch während der Schulstunde scannen mussten.  Während sie die Videos sahen, sollten sie sich Notizen machen, konnten also das Video pausieren und so in ihrem eigenen Tempo das nötige Wissen notieren.

Im Anschluss an diese digitale Instruktionsphase scannten sie einen weiteren QR-Code, der sie zu einem Lernsnack weiterleitete. Hier konnten sie ihr Wissen noch einmal üben und überprüfen.

Daran anknüpfend bekamen sie dann ganz analog ein Arbeitsblatt, auf dem sie den Text aus der Klassenarbeit mit ihrem nun erarbeiteten Hintergrundwissen erneut strukturiert analysieren sollten.

qr-codes_berichtigen.jpg

Das Erklärvideo wird geschaut und nebenbei werden Notizen angelegt.

Vorteile und beobachtete Schülerreaktionen

Ich war mir erst nicht sicher, ob diese Methode der Berichtigung wirklich zu einem Lern- bzw. Kompetenzzuwachs führen würde. Doch die Vorteile lagen für mich klar auf der Hand:

  1. Jeder Schüler konnte in seinem eigenen Lerntempo das Lernvideo abspielen und sich Notizen machen. Schwierig zu verstehende Stellen konnten so einfach noch mal abgespielt und langsamer nachvollzogen werden.
  2. Das über das Erklärvideo angesammelte Wissen konnte nun ganz individuell in einem Lernsnack überprüft werden. Somit wurde erneut geübt und gefestigt. Durch die konkrete Rückmeldung am Ende des Snacks sahen die Schüler sofort, wo sie ggf. noch Schwierigkeiten hatten.
  3. Das anschließende Anwenden in Form eines Arbeitsblattes in Bezug auf den in der Klassenarbeit verwendeten Text ermöglichte einerseits eine Transferleistung und andererseits konnten so die Kompetenzen sehr konkret angewandt werden.

Die Schülerreaktionen waren eindeutig: Nach einigen Startschwierigkeiten mit ihrem mobilen Netz an einigen Stellen, waren absolut alle total bei der Sache. Kein einziger war dabei, der sich nicht mit dem Thema beschäftigte. Alle sahen das Erklärvideo, machten sich Notizen, ohne dass man sie dazu anhalten musste, und tauschten sich mit ihrem Partner über das Arbeitsblatt aus. 90 Minuten lang stand das Stundenthema im Mittelpunkt, ohne dass der ein oder andere gedanklich abschweifte, was sonst gerne mal vorfiel. Sie diskutierten über die Inhalte, überlegten wie sie den Text am besten analysieren und tauschten sich über Formulierungen aus.

👥 Dies ist lediglich eine Idee meinerseits, um einfach eine andere Art der Berichtigung zu testen. Hier gibt es natürlich tausend und eine Möglichkeiten. Was haltet ihr davon? Lasst es mich wissen 😊

Flipped Classroom im Oberstufenunterricht – Ein Vorschlag

Was bedeutet überhaupt „Flipped Classroom“?

Zu Deutsch „umgedrehter Unterricht“ ist ein didaktisches Konzept, bei dem die Schüler im Zentrum stehen. Die zu erlernenden Unterrichtsinhalte werden, bspw. in Form von aufbereiteten Erklärvideos, vor dem eigentlichen Unterricht an die Schüler zur Erarbeitung herangetragen. So sehen sie sich diese im häuslichen Umfeld an, können die Videos pausieren, sich z. B. Notizen machen, und so die grundsätzlichen Inhalte bereits selbstständig und in ihrem eigenen Tempo erarbeiten. In der Schule findet dann die Anwendung und Vernetzung des erworbenen Wissens statt.

Welche Vor- und Nachteile dies hat, soll an anderer Stelle thematisiert werden. Es geht nun in erster Linie um einen Vorschlag, wie ich dieses Konzept in meinem Deutschunterricht der Oberstufe umgesetzt habe. Vielleicht kann ich euch damit ja inspirieren 😊

Die letzte Stunde vor den Ferien als Zwischenfazit nutzen – Geflippte Stunde mithilfe von QR-Codes

In den vergangenen Stunden hatten sich meine Schüler ihr Wissen rund um die Grundgedanken der Aufklärung erarbeitet. Nebenbei wurde das Drama „Nathan der Weise“ gelesen und bearbeitet. In der letzten Stunde vor den Ferien lohnte es sich daher nicht, ein neues Thema anzufangen. Was also tun?

Sie sollten sich einen Zwischenstand und eine erste Zusammenfassung ihres Wissens erarbeiten. Das Ziel war es, all die über die letzten Stunden erworbenen Kenntnisse mit zusätzlichem literarischen Kontext zu füttern, damit sie ein möglichst umfangreiches Wissen erwerben.

Zu Hause bereitete ich ein Arbeitsblatt mit QR-Codes vor, welches die Schüler dann in der vorletzten Stunde als Hausaufgabe bekamen. Zu Hause konnten sie sich so die von mir dort hinterlegten Erklärvideos anschauen und eine Lern-Mind-Map entwickeln. In der dann letzten Stunde vor den Herbstferien blieb mehr Zeit für die Präsentation ihrer Lern-Mind-Maps und den inhaltlichen Austausch über ihre Arbeit. Es konnten Fragen gestellt, Unklarheiten behoben und so ein gutes Zwischenfazit mit einem ersten literarischen Überblick gezogen werden.

Alternative Möglichkeiten

Wer keine QR-Codes erstellen möchte, kann bspw. auch die Links zu den Erklärvideos auf ein Arbeitsblatt schreiben oder es den Schülern per Mail zur Verfügung stellen.

In diesem Beispiel bediente ich mich an externen Videos auf YouTube, die mir als sehr sinnvoll erschienen. Eine weitere Möglichkeit wäre es natürlich, die Videos selbst zu erstellen. Dann kann man diese bspw. bei Google Drive  speichern und für seine Schüler freigeben.

➡️ Das Arbeitsblatt zu den QR-Codes findet ihr unter Downloads.

👥 Ich hoffe, ich konnte euch eine Idee geben, wie man dieses didaktische Konzept umsetzen kann 👩🏼‍🏫 Habt ihr damit schon einmal gearbeitet und wenn ja, wie gestaltet ihr solche Stunden?

„VIPs“ im Unterricht der Oberstufe oder: Wie ich wichtige Überblicksdarstellungen gut kennzeichnen kann

Wer schon einmal oder mehrmals in der Oberstufe unterrichtet hat, kennt das Problem mit der ungemeinen Inhaltsfülle. Gerade das Epochenüberblickswissen in Deutsch ist dabei bspw. nicht zu unterschätzen. Hinzu kommen hier noch die ganzen Stilmittel und Fachtermini für bestimmte Bereiche. Damit meine Schüler hier für ihre Abiturvorbereitung immer den Überblick behalten und gut lernen können, habe ich die „VIPs“ eingeführt. Was das genau ist, könnt ihr hier nachlesen.

„VIPs“ aka Very Important Papers – Ihr Einsatz

Hinter der Abkürzung verstecken sich für die Schüler wichtige Dokumente, die sie auf jeden Fall als Grundlagenwissen für ihre Abiturvorbereitung benötigen. Würden wir diese ganz normal auf weißem Papier kopieren und sie an den Kurs ausgeben, verschwinden sie nur allzu schnell in den Tiefen der Mappe oder des Ordners. Wie schaffe ich es also, dass sie für die Schüler besonders auffallen und sie auch eine gewisse Strukturierung vorgeben? Erst letztens erstellte ich solche VIPs zum Epochenüberblick der Aufklärung. Nachdem wir die Grundideen erarbeitet hatten, kopierte ich ihnen noch einmal einen Überblick auf buntem Papier. Hier liegt auch das Besondere an den VIPs: Es sind schlichtweg wichtige Arbeitsblätter, die bunt kopiert werden. Über die Farbauswahl könnt ihr natürlich selbst entscheiden. Am Anfang habe ich diese in meinem Kurs eingeführt und ihnen erklärt, dass ich nun ein VIP aushändige.

Der Vorteil für die Schüler ist offenkundig: Sie sehen in ihrer Mappe sofort, dass dieser Zettel besonders wichtig ist, weil er auf farbigem Papier kopiert wurde. So können sie sich diese Zettel während ihrer Abiturvorbereitung ganz besonders vornehmen, da sie wissen, dass sie grundlegend sind. Damit das bunte Kopieren nicht überhand nimmt, mache ich das in erster Linie nur für die wirklich grundlegendsten Inhalte. Momentan betrifft dies in meinem Kurs das Epochenwissen und die Fachtermini und Hintergründe zum Theater.

Weitere Ideen und Einsatzmöglichkeiten

Ihr könnt die Schüler bspw. auch selbst solche bunten Lernzettel erstellen lassen. In meinem Kurs führte ich in der letzten Stunde vor den Ferien eine Überblicksstunde durch, in welcher sie die auf einem Arbeitsblatt zu findenden QR-Codes scannen, sich die Erklärvideos anschauen und die darin enthaltenen Informationen auf einem bunten Lernblatt selbst zusammenfassen sollten. Dabei waren sie in ihrer Gestaltung frei. Es ermöglichte ihnen, die gesehenen Informationen in einer neuen Form zu reorganisieren und für ihren zukünftigen Lernprozess festzuhalten.

In der Sek I bietet sich diese Art der bunten Zusammenfassung vor allem bei der Stationsarbeit oder Lernzirkeln an. Wie man dort vorgehen kann, könnt ihr hier nachlesen.

Das Arbeitsblatt zu den QR-Codes verlinken ich euch gerne unter der Kategorie „Downloads“, falls es euch interessieren sollte. Es kam auf jeden Fall sehr gut an 😊

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig mit dieser Idee inspirieren 💡

Stationsarbeit – Wie binde ich sie richtig ein?

In den letzten beiden Schulwochen vor meinen Herbstferien habe ich in 2 von meinen Klassen zu unterschiedlichen Themen und natürlich in unterschiedlichen Jahrgangsstufen Stationsarbeit durchgeführt. In beiden Klassen lief alles erstaunlich gut und wir sind bereits zu einem ersten Lernzwischenfatit gekommen. Da es so gut klappte, wollte ich euch nun Ideen an die Hand geben, wie Stationsarbeit gut gelingen kann und was man gerade als absoluter Neuling auf diesem Gebiet lieber vermeiden sollte.

Was ist Stationsarbeit? 

Grundsätzlich ist Stationsarbeit eine offene Form des Unterrichts, welche mit viel Individualisierung und Leistungsdifferenzierung verbunden ist. Die Schüler arbeiten an einem Thema, welches in verschiedene Teilthemen untergliedert ist, in ihrem eigenen Lerntempo an vier bis ca. sieben Stationen. Besonders ist hier, dass alle Aspekte eines Unterrichtsthemas gleichzeitig zur Verfügung stehen, was sonst im normalen Unterrichtsgeschäft nie der Fall ist. Nun können die Schüler alleine, zu zweit oder in kleinen Gruppen von Station zu Station wandern und die gestellten Aufgaben bearbeiten. Ihnen steht ein Laufzettel zur Seite, welcher meistens in Pflicht- und Wahlaufgaben unterteilt ist. Sind Aufgaben bearbeitet und selbstständig kontrolliert worden, können sie vom Lehrer als erledigt dokumentiert werden.

Wie organisiere ich die Stationsarbeit möglichst sinnvoll?

Grundsätzlich muss vor der Durchführung der Stationsarbeit eine gründliche Planung seitens der Lehrperson erfolgen. Fragen, die man sich hier bspw. stellen sollte:

  • Welches Thema sollen meine Schüler bearbeiten?
  • Ist es eher wiederholendes, vertiefendes oder sogar neues Material?
  • In wie viele Teilaspekte möchte ich das Thema einteilen?
  • Wie viele unterschiedliche Lernkanäle möchte ich ansprechen?
  • Was muss ich alles kopieren? 
  • Welche Aufgaben kann ich aus dem Schulbuch übernehmen?
  • Wie viele Lösungszettel benötige ich?

Nachdem man all das geklärt hat und die Stationsarbeit mitsamt dem Material steht, geht es in die Vorbereitungsphase. Die Schüler müssen über das Thema, den Ablauf und die Anforderungen informiert werden. In meiner 6. Klasse habe ich meinen Schülern bspw. einen Brief geschrieben, in welchem ich sie auf alles Nötige hingewiesen habe. Wichtig ist hier, dass vor allem auch gewisse Grundregeln bzw. Verhaltensregeln eingehalten werden und man die Schüler an diese noch einmal erinnert.

Als nächstes beginnt die Durchführungsphase der Stationsarbeit. Hier arbeiten die Schüler weitestgehend frei. Sie können alleine, zu zweit oder in kleinen Gruppen arbeiten. Dabei nutzen sie ihren Laufzettel, um die einzelnen Stationen zu bearbeiten. Auf meinen Laufzetteln gibt es immer noch eine extra Spalte zur kurzen Reflexion jeder einzelnen Station. Die Schüler sollen dort fragengeleitet notieren, was ihnen leicht oder schwer fiel und wo sie deutliche Stärken oder Defizite sehen. So halten sie kurz inne und können ihren Lernprozess reflektieren. Brauchen Klassen mehr Strukturen, hat es sich in meiner 9. Klasse als sinnvoll erwiesen, ihnen für jede Stunde ein Minimalziel an die Tafel zu schreiben, welches jeder erreichen sollte. Wichtig ist hierbei, dass das Ziel so gesteckt ist, sodass es auch wirklich von allen zu erreichen ist. So klappt auch Stationsarbeit in Klassen, die vielleicht noch Hilfe bei der Freiarbeit benötigen. Nach jeder erledigten Aufgabe oder Station können sich die Schüler auf dem dafür vorgesehen Platz die abgelegten Lösungszettel holen und ihre Ergebnisse vergleichen. Mein Tipp: Kopiert die Lösungszettel auf farbiges Papier und richtet dafür eine eigene Ecke ein. So ist sie für alle Schüler sofort eindeutig zu erkennen.

In all meinen Klassen folgte nach der Durchführungsphase eine Anwendungsphase. In diesem Fall sollten meine Schüler ihr erworbenes Wissen in Form einer Lern-Mind-Map noch einmal reorganisieren. Sie haben dafür von mir bunte Blätter ausgeteilt bekommen, auf denen sie zu jeder Station eine Mind-Map gestalten sollten. Was sollte dort stehen? All das, was sie sich längerfristig merken wollen. Durch die bunten Blätter fallen die Mind-Maps zusätzlich in ihren Mappen auf und sie wissen, dass diese Blätter besonders wichtig sind.

Diese dann erstellten Mind-Maps werden in einer Auswertungsphase zunächst einmal den Mitschülern im Sinne des Think-Pair-Shares gegenseitig vorgestellt. Im Anschluss erfolgt eine kurze Präsentation im Plenum. Hier liegt die Aktivität dann wieder mehr auf der Lehrerseite. Daran kann sich beispielsweise ein kleiner Diagnosetest anschließen, damit wir als Lehrer noch einmal sehen, was die Schüler nun aus der Stationsarbeit tatsächlich als Lernertrag mitgenommen haben.

Welche Lernchancen eröffnet die Stationsarbeit?

  1. individuelle Auseinandersetzung mit einem Thema
  2. Förderung von eigenverantwortlichem und selbstständigem Lernen
  3. innere Differenzierung (Es existieren sowohl Lernangebote für leistungsschwächere als auch für leistungsstärkere Schüler.)
  4. Bewegung: Das ist für viele Schüler, die sich gerade damit schwer tun, länger ruhig zu sitzen, ein positiver Vorteil.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag ein wenig Inspiration geben, um selbst bald einmal Stationsarbeit mit einem guten Lernertrag durchzuführen 😊 👩🏼‍🏫

Buchtipp: Mattes, Wolfgang: Methoden für den Unterricht.

Blogtipp: Schaut doch einmal bei der lieben Kerstin von Materialwiese vorbei. Sie hat ganz tolle Schilder für die Stationsarbeit entworfen, welche ich für meine Klassen direkt so übernommen habe. Hier seht ihr das Ergebnis.

IMG_0248

Nicht nur negatives Verhalten maßregeln – Eine Idee für die Integration der positiven Verstärkung und mehr Transparenz

Viele von uns kennen es: Häufig fallen uns diejenigen Schüler auf, die sich in erster Linie durch negatives Verhalten bemerkbar machen. Sei es, dass sie dazwischen rufen, andere Mitschüler ärgern, den Lehrern gegenüber unhöflich sind, den Klassenraum verschmutzen etc. Ich denke, dass jedem von euch dort die ein oder andere Situation einfallen wird.

Positive Verstärkung ist auch wichtig

Dennoch bestärken wir viel zu selten diejenigen Schüler, die sich vorbildlich verhalten. Wenn es passt, wird hie und da mal eine positive Bemerkung eingestreut, aber leider bleibt es häufig dabei. Ich musste es selbst zu beginn meiner Schulkarriere feststellen, dass ich mehr damit zu tun hatte, negatives Verhalten zu maßregeln, bis ich mich intensiver mit dem Thema Classroom Management befasst habe. Eine positive Verstärkung ist für alle Schüler wichtig, fühlen sie sich dann in ihrem Verhalten bestärkt und können weiterhin auf diesem Pfad wandern.

Doch wie sollen sie es wissen, wenn sie es nicht im Idealfall jede Stunde vor Augen geführt bekommen? Im schlimmsten Fall haben diese Schüler irgendwann keine Motivation mehr, sich regelkonform zu verhalten und schlagen eventuell ins Gegenteil um. Damit dies nicht passiert, hatte ich mich bereits in anderen Artikeln mit Formen der positiven Verstärkung beschäftigt. Einerseits stellte ich einen Erwartungskatalog auf und andererseits führte ich das System der Lobkarte ein (Hier kommt ihr zum Lobsystem und hier zu dem Erwartungskatalog).

Optimierungen müssen her

Ich war bis vor Kurzem auch sehr zufrieden mit meinem System. Dennoch empfand ich es als mühselig, bei Verwarnungen jeden Namen an die Tafel zu schreiben. Wenn ich Stempel verteilen wollte, bin ich meistens gegen Ende der Stunde kurz rumgegangen und habe sie verteilt. Das kostete mich aber Zeit und so ganz zufrieden war ich damit dann doch nicht mehr. Ich wollte es noch effizienter gestalten. Also suchte ich bei Pinterest nach Ideen und wurde schnell fündig. Ich bastelte mir mehrere Schilder, die ich nun einlaminiert und miteinander verbunden in der Klasse aufhängen kann. Jeder Schüler bekommt seine eigene Klammer mit seinem Namen drauf. Die Schilder sehen so aus:

IMG_1051

Wie das System nun funktioniert

Zu Beginn der Stunde starten alle Schüler mit ihren Klammern im positiven grünen Bereich, da sie bis dahin noch alle meine Erwartungen erfüllen.

Sollten sich abzeichnen, dass sie sich immer vorbildlich verhalten, wandert ihre Klammer nach oben und sie können mit ihrer Lobkarte nach der Stunde zu mir kommen und sich einen Stempel abholen.

Sollten sie meine Erwartungen nicht erfüllen, wandert ihre Klammer weiter nach unten.

Das Ganze ist so konzipiert, dass sie auch genau wissen, welche Konsequenz aus ihrem Verhalten folgt und wie sie zu handeln haben. Somit findet sich mein Erwartungskatalog nun auch sehr transparent im Klassenraum selbst wieder. Es sorgt für eine Menge Struktur und vor allem Transparenz. Die Schüler wissen sofort, wo sie dran sind.

📥 Auf meiner Seite „Downloads“ könnt ihr euch die Schilder runterladen, wenn ihr Interesse daran habt. Alle dort verwendeten Bilder stammen von „pixabay“.

Viel Spaß damit und lasst mich wissen, was ihr von der Idee haltet 😊👩🏼‍🏫